Wer bin ich jetzt? Was macht mich aus? -Ich bin eine Queenager
- Margot Freiler
- 11. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Was bin ich? Vor allem wer bin ich? Und was treibt mich an? Wie möchte ich leben? Diese Fragen treiben mich schon länger um. Mir ist aufgefallen, dass ich sehr oft den Begriff "postmenopausal" verwende, um mich einzuordnen. Das stimmt zwar, aber was ordne ich mit dem Begriff ein? Ich ordne nur ein, in welcher Phase der Wechseljahre ich mich befinde, mehr aber auch schon nicht. Und im Grunde heißt es alles oder auch nichts. Und deshalb denke ich schon des längeren darüber nach, was mich als postmenopausale Frau (um den Begriff noch einmal zu strapazieren) ausmacht. Denn dazu gibt es so viel mehr zu erzählen. In den letzten elf Jahren, in denen ich mich in den Wechseljahren befinde, habe ich so viele Veränderungen und Herausforderungen erlebt, und - was für mich das Schönste und Beste an meinen Wechseljahren war - zu mir gefunden.
Ja, ich weiß, das klingt schon sehr abgedroschen. Und es stimmt trotzdem. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Ich bin mehr ich selbst. Authentischer, ehrlicher, mir selbst und anderen gegenüber. Ich muss gar nichts mehr, ich muss niemandem mehr etwas beweisen, und das fühlt sich sehr befreiend an. In meiner Nachdenkphase darüber, wer ich bin, was mich ausmacht, bin ich über den Begriff "Queenager" gestolpert. Der Begriff wurde maßgeblich von Eleanor Mills und ihrer Plattform NOON geprägt, um Frauen im Alter zwischen 45 und 65 Jahren sichtbar zu machen. Dazu schreibt sie: „In the 100-year-life, 50 is only halfway through. It’s only lunchtime." Das finde ich auch!
WAS IST ALSO EINE QUEENAGER?
Der Begriff „Queenager“ setzt sich aus „Queen“ (Königin) und „Teenager“ zusammen und beschreibt Frauen etwa zwischen Mitte 40 und Mitte 60, die ihre zweite Lebenshälfte bewusst gestalten. Typisch ist weniger das exakte Alter als die Haltung: selbstbewusst, erfahrener – und trotzdem neugierig und auch rebellisch. Eleanor Mills spricht in diesem Zusammenhang auch von der „Prime of Life“, der Blütezeit des Lebens. Ich finde, das beschreibt es sehr gut, und ich finde mich darin wieder.
„Queenager“ hebt die Würde und die Kraft dieser Phase hervor: Es ist die Zeit, in der viele Frauen erstmals klar fühlen, wer sie sein wollen – und nicht nur, wer sie bisher waren", bringt es die Coachin für Frauen in der Lebensmitte, Korina Dielschneider, auf den Punkt. Das ist es, was ich meine, wenn ich schreibe, ich habe zu mir gefunden.
Viele Frauen in dieser Phase tragen Beruf, Familie, Elternpflege und Partnerschaft, während sie selbst irgendwo im Alltag verloren gehen und sozusagen "unsichtbar" werden. So war es auch bei mir. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass da mehr in mir steckt. Ich werde nicht jünger, aber klarer – in meinen Grenzen, meinen Bedürfnissen und meiner Lebensgestaltung. Genau hier beginnt die Queenager-Phase, finde ich: nicht als „Abbau“, sondern als Neuordnung!, mit Fokus auf das Wesentliche, auf eigene Träume, Wünsche und Ziele, die es nun umzusetzen gilt, um sie in die Welt zu tragen.
Rückblickend schreibt es sich leichter, ich erinnere mich, dass ich, als bei mir die Hormonparty voll im Gange war, nichts anderes gespürt habe als Verzweiflung und nur damit beschäftigt war, den Alltag, den nächsten Tag, den Job, einfach alles in meinem Leben irgendwie zu bewältigen. Und doch kann ich sagen, dass ich zum Beispiel in dieser schwierigen Phase in meinem Leben gezwungen war, meine Grenzen endlich wahrzunehmen und auch zu setzen, weil ich gar keine andere Wahl hatte. Und das war gut so. Was habe ich u.a. gelernt: "Nein" ist ein ganzer Satz!
WAS IN DIESER PHASE WIRKLICH WICHTIG WIRD
Rückblickend kann ich sagen, dass Hormonumstellung, Körperempfindungen und Gefühle lauter werden – Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, aber auch plötzliche Freiheit und neue Kreativität. Statt diese Phase als Defizit zu erleben, kann sie ein Kompass werden: Was brauche ich wirklich? Wo will ich loslassen? Wo langsam, wo energisch losmarschieren? Worauf möchte ich meine Energie und Aufmerksamkeit richten?
Ich habe meine Prioritäten in drei Bereiche gegliedert:
Körper & Gesundheit: Die Hormonumstellung fordert neue Gewohnheiten – Schlaf, Bewegung, Ernährung, Pausen, Selbstfürsorge.
Identität & Grenzen: Wer bin ich, wenn ich mich nicht mehr über Leistung oder Fürsorge definiere? Wenn ich ‚Nein‘ sagen darf, ohne Schuldgefühle?
Lebensfreude & Sinn: Reisen, Kreativität, Sexualität, Gemeinschaft – die zweite Lebenshälfte als Entfaltungsraum, nicht als „Abwaschphase“.
In den Bereich "Selbstfürsorge" fallen auch Shiatsu-Behandlungen. In meiner Praxis begleite ich Frauen in den Wechseljahren mit achtsamer Körperarbeit, um körperlichen und psychischen Stress zu reduzieren, damit sie dieser turbulenten Phase der Hormon-umstellung mit mehr Ruhe und Entspannung begegnen können.
FAZIT
Zusammenfassend sehe ich Queenager folgendermaßen: Es sind Frauen, die
bereit sind, über den Sinn in ihrem Leben und Grenzen nachzudenken,
sich nicht mehr nur über Leistung und/oder Fürsorge definieren,
die authentisch(er) leben und sich nicht mehr durch gesellschaftliche Erwartungen an das Altern einschränken lassen
kleine, aber deutliche Schritte in Richtung mehr Selbstfürsorge und Selbstachtsamkeit gehen
und die, so wie ich, versuchen herauszufinden, worauf sie wirklich Lust haben – heute und in den nächsten 20 Jahren.



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