Postmenopause - was nun?
- Margot Freiler
- 26. März
- 6 Min. Lesezeit

Alle reden von der Perimenopause, von den Hormonschwankungen, den Stimmungs-Berg- und -Talfahrten, den leichten bis schweren Beschwerden, den Veränderungen im Körper, den psychischen Herausforderungen und die Erzählung endet damit, dass danach die Menopause als letzter Abschnitt der Perimenopause folgt, und zwölf Monate nach der letzten Blutung endet auch die Menopause und die Phase der Postmenopause beginnt. In dieser Phase sollte sich alles wieder beruhigen, der Hormonspiegel ist eingependelt auf einem niedrigen Niveau, die Beschwerden lassen nach und das war’s. Klingt doch super, oder? Ja, genau so kann es sein, und das ist die beste aller Varianten.
Nur: in der Realität kann es so sein oder es ist ganz anders. Meiner Erfahrung nach ist es ganz anders. Weder hören die Beschwerden auf, noch beruhigt sich alles. Ich bin seit 6 Jahren nach wie vor im Hormonchaos. Nur die Hormontherapie, ich nehme Östrogen, Progesteron und Testosteron, sorgt für meine gute Lebensqualität. Ich brauche gar nicht daran zu denken, dass ich sie absetze um zu schauen, ob ich sie überhaupt noch brauche. Auch in meiner Praxis berichten mir die Frauen in der postmenopausalen Phase von anhaltenden Beschwerden und Problemen. In Studien ist von ca. 20 Prozent die Rede, die auch in der postmenopausalen Phase unter Beschwerden leiden. Ich gehöre dazu. Allerdings gibt es meiner Erfahrung nach trotz auftretender Beschwerden auch sehr viel Positives über diese Phase zu berichten!
INHALT:
WAS BEDEUTET POSTMENOPAUSE?
Die Postmenopause beginnt etwa ein Jahr nach der letzten Regelblutung (Menopause) und erstreckt sich im Allgemeinen über zehn bis 15 Jahre und geht in das "normale" Alter über. In dieser Phase sind Östrogen und Progesteron dauerhaft niedrig; das prägt Stoffwechsel, Knochen, Gefäße, Haut und Schleimhäute. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, Blutdruck, Gefäße sowie Cholsterinwerte zu kontrollieren und Knochendichte bestimmen zu lassen. Östrogen weist in diesen Bereichen eine Schutzfunktion auf, die in der Postmenopause verloren geht.
WELCHE BESCHWERDEN KÖNNEN AUFTRETEN
Der Körper fühlt sich alles andere als „fertig“ mit den Wechseljahren an, auch wenn die letzte Regelblutung schon einige Jahre zurückliegt. Viele Frauen erleben in der Postmenopause weiterhin Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafstörungen, oft kombiniert mit Erschöpfung, innerer Unruhe und dem Gefühl, nicht mehr so leistungsfähig zu sein. Dazu kommen häufig Gelenks‑ und Rückenschmerzen, Gewichtszunahme am Bauch, vaginale Trockenheit, Blasenprobleme oder ein Nachlassen der Libido – Themen, über die kaum gesprochen wird.
All das ist nicht „eingebildet“, sondern eine nachvollziehbare Reaktion deines Körpers auf die hormonelle Umstellung – und genau deshalb gibt es auch viele Ansatzpunkte, wie du dich unterstützen kannst.
In meinem postmenopausalen Leben ging ich davon aus, dass mit der endlich richtigen Dosis an Hormonen Ruhe einkehrt und die Hormonparty in meinem Körper zu Ende ist und sich alles beruhigt. Ein Jahr lang ging es auch relativ gut, sodass ich davon ausging, dass ich die richtige Dosis bei meiner Hormontherapie gefunden hatte und es auch so bleiben würde. Bis vor einigen Monaten die Hitzewallungen wieder häufiger auftraten, bis ich sie wieder tagsüber stündlich und in der Nacht davon alle zwei Stunden aufwachte. Einige Wochen später gesellten sich nach und nach auch Gelenks-schmerzen, Konzentrationsstörungen, Haarausfall und Herzstolpern dazu. Die Hormonparty war also wieder voll im Gange.
Ich geriet in Panik, vor allem wegen der nächtlichen Hitzewallungen und den damit verbundenen Schlafstörungen. da ich diese Jahre mit schlechtem Schlaf noch sehr gut in Erinnerung hatte und wusste, dass ich keine Kraft hatte, diesen Zustand der Erschöpfung nochmals durchzustehen. Ich war gerade dabei mich von diesen jahrelangen schlechten Nächten zu erholen. Was war los mit mir? Ich nahme seit Monaten meine Dosis, hatte nichts verändert und litt wieder unter Beschwerden.
Mittlerweile weiß ich, dass es nicht ungewöhnlich ist. Meine Hormonärztin hat es mir bestätigt. Wahrscheinlich nahm meine Haut das Gel nicht so gut auf und es kam nicht soviel Östrogen an, wie es sollte. Daher riet mir meine Ärztin zum Wechsel auf einen Estradiolspray anstelle des Gels. Das war jedoch ein Reinfall. Die Hitzewallungen wurden noch schlimmer, tagsüber und in der Nacht, Ich war wieder bei schlechtem Schlaf und bei Erschöpfung angelangt. Auch die Gelenksschmerzen nahmen zu und in meinem Herzen rumpelte es.
Geholfen haben mir einerseits die Gespräche in den Treffen der Feuerfrauen, in denen von ähnlichen Erfahrungen berichtet wurde, und wir haben festgestellt, dass es in Wellen auftritt, also Hormonparty für einige Zeit, dann wieder Ruhe im System bis zur nächsten Party. Damit nicht alleine zu sein und auf Verständnis und Gleichgesinnte zu treffen, stärkt und beruhigt. Ich bin froh, dass es die Feuerfrauen gibt!
Andererseits habe ich bei meinen Recherchen erfahren, dass es darauf ankommt, wo das Gel geschmiert wird: auf Innenseite Unterarmen, wo die Haut dünn ist, wirkt es schneller, sinkt aber auch schneller wieder ab, auch der Zeitpunkt der Hormongabe ist entscheidend. Ich habe es ausprobiert, bin wieder zu meinem Gel zurückgekehrt und schmiere es nur mehr am Oberarm außen, hier reicht ein Hub am Morgen, am Nachmittag ca. um 16 Uhr nochmals ein Hub und um 20 Uhr schmiere ich den letzten Hub. Seitdem sind die Beschwerden fast verschwunden. In der Nacht noch ein oder zwei leichte Hitzewallungen, und das war es. Was ich gelernt habe und weitergeben möchte: die Dosis muss nicht gleich bleiben, Beschwerden können wieder auftreten, gut auf den Körper hören, eventuell Dosis, Zeitpunkt und Produkt ändern, und dem Körper die Zeit geben für die Umstellung.
Noch ein Hinweis: Starke oder neu auftretende Beschwerden, depressive Symptome, Herzrasen, Blutungen nach der Menopause oder starke Schmerzen sollten immer medizinisch abgeklärt werden. Und wenn du merkst, dass dich deine Beschwerden im Alltag einschränken, such dir Unterstützung – medizinisch und in Form von Begleitung. Du musst da nicht alleine durchgehen!
BESCHWERDEN, ÜBER DIE KAUM GESPROCHEN WIRD
Viele Frauen erleben in der Postmenopause urogenitale Beschwerden wie vaginale Trockenheit, Brennen, Schmerzen beim Sex, eine erhöhte Neigung zu Harnwegsinfekten sowie Blasenschwäche oder Dranginkontinenz – all das hängt eng mit dem lokalen Östrogenmangel im Genital‑ und Harntrakt zusammen. Die Schleimhäute werden dünner, schlechter durchblutet und weniger elastisch, der natürliche pH‑Wert verändert sich und damit auch die Schutzfunktion gegen Keime.
Das klingt jetzt alles nicht so berauschend. Die sehr gute Nachricht ist aber, dass es eine bewährte Möglichkeit zur Linderung der Schmerzen gibt durch eine lokale Behandlung mit Ovestin‑Creme, die den Wirkstoff Estriol enthält – ein sogenanntes „schwaches“ Östrogen, das vor allem lokal in der Vaginalschleimhaut wirkt. Durch die regelmäßige Anwendung kann sich das Gewebe wieder aufbauen, besser befeuchtet werden und damit Reizungen, Schmerzen beim Sex und die Infektanfälligkeit deutlich abnehmen; viele Frauen berichten auch über eine Beruhigung von Drangbeschwerden und leichter Blasenschwäche. Wichtig ist: Die Creme wirkt nicht wie eine systemische Hormontherapie im ganzen Körper, sondern vor allem dort, wo der Mangel am stärksten spürbar ist – ideal, wenn du gezielt etwas für deine Scheidengesundheit tun möchtest, ohne deinen gesamten Hormonhaushalt umzustellen. Zu dieser Creme kann ich nur Positives berichten. Sie wirkt sehr schnell, alle Beschwerden wie Juckreiz, Schmerzen beim Sex, sind bald verschwunden.
THERAPIEANSÄTZE BEI ANHALTENDEN BESCHWERDEN: HORMONELL, NICHTHORMONELL?
Die Forschung ist eindeutig: Bei starken Hitzewallungen und Schlafstörungen kann eine individuell angepasste Hormontherapie sehr wirksam sein. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass du immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen solltest, ob Nutzen und Risiken für dich persönlich passen.
Auch eine Unterstützung mit pflanzlichen Mitteln ist eine Möglichkeit. Erfahrungsgemäß helfen zum Beispiel Rotklee, Traubensilberkerze, Mönchspfeffer jedoch eher in der Perimenopause, solange noch Hormone produziert werden, um das Hormongleichgewicht wieder herzustellen. Bei niedrigen Hormonwerten und einem definitiven Östrogenmangel scheint die Wirksamkeit begrenzt.
WAS DU SELBST TUN KANNST
Neben medizinischen Möglichkeiten kannst du selbst unglaublich viel aktiv bewirken: Ein wichtiger Schlüssel sind regelmäßige, sanfte Bewegungsformen wie zügiges Gehen, Radfahren, Yoga oder leichtes Krafttraining: Sie helfen, deinen Stoffwechsel zu stabilisieren, Muskeln und Knochen zu stärken und Hitzewallungen, Stimmungs-schwankungen und Schlafprobleme positiv zu beeinflussen. ,
Achtsamkeitsübungen – zum Beispiel bewusstes Atmen, kurze Bodyscans oder kleine Meditationspausen im Alltag – beruhigen dein Nervensystem und verändern, wie belastend du Symptome wie Hitzewallungen oder Herzklopfen erlebst.
Shiatsu kann hier eine wertvolle Ergänzung sein: Durch achtsame Berührung, Druck entlang der Meridiane und sanfte Dehnungen kommst du aus dem Kopf in den Körper, Stresspegel und innere Unruhe sinken, und viele Frauen berichten von besserem Schlaf, weniger Verspannungen und einem tieferen Gefühl von „wieder bei mir ankommen“.
In Kombination mit einer gesunden Ernährung, ausreichend Eiweiß, Calcium und Vitamin D, wenig Alkohol und Nikotin und einer liebevollen Schlafhygiene entsteht so ein sanftes, aber wirksames Paket an nicht‑hormonellen Strategien, mit dem du deine Postmenopause aktiv und selbstbestimmt gestalten kannst.
DAS GUTE AN DER POSTMENOPAUSE
Die Postmenopause hat sehr viel Positives! Frauen entwickeln in dieser Zeit ein Gefühl für ihren Kräftehaushalt. Einige lernen in der Peri- und Postmenopause klarer Nein zu ‚Krafträubern‘ zu sagen. Auch das Gesunheitsbewusstsein rückt mehr in den Mittelpunkt - Bewegung, Ernährung, Selbstfürsorge stehen im Fokus. Manche Frauen entdecken eigene Stärken neu oder wieder – sei es das Ausleben von Kreativität, eine mentale Klarheit oder die Weisheit, die aus Jahren der Selbstreflexion entsteht. Das kann zu positiven privaten oder beruflichen Veränderungen führen, wie Karriereboosts, tieferen Beziehungen oder einem neuen Hobby. Viele haben bis zur Postmenopause auch einen guten Weg gefunden, vaginale Trockenheit zu behandeln. Jetzt erleben sie eine entspannte Sexualität ohne Verhütungsbedarf und mit mehr Fokus auf Lust und Intimität.



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