Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen ja oder nein? Warum ich mich dafür entschieden habe
- Margot Freiler
- 26. Feb.
- 8 Min. Lesezeit

Vor ungefähr sieben oder acht Jahren war meine Einstellung, was Hormone betraf folgende: Ich wollte sie nie in meinem Leben nehmen. Ich ging auch davon aus, dass es niemals für mich ein Thema werden könnte. Ich habe nie mit Pille verhütet, weil ich mir keine künstlichen Hormone zuführen wollte, warum sollte ich also jetzt in den Wechseljahren damit beginnen, um die Wechselbeschwerden zu lindern? Für eine Linderung müsste es doch auch andere Wege und Möglichkeiten geben, so meine Meinung.
Wie es dazu kam, dass ich doch bei den bioidentischen Hormonen gelandet bin und sie seit beinahe vier Jahren nehme, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.
Als ich noch einmal zurückgedacht habe, was ich alles ausprobiert hatte, wovon ich ausgegangen war und warum bioidentische Hormone ihren Schrecken verloren hatten und mir im Gegenteil mein Leben wieder zurückgegeben haben, wurden mir 5 Gründe ersichtlich. Gründe, die mich davon abhielten und Gründe, die mich schließlich doch bioidentische Hormone nehmen ließen.
MEIN ERSTER GRUND: AHNUNGSLOSIGKEIT
Mein 1. und alles entscheidender Grund für viele Entscheidungen, die danach folgten: ich hatte keine Ahnung von den Wechseljahren. Ich hatte kein Wissen und nur die Annahme, dass irgendwann die Monatsblutung aufhört und ich dann – wenn ich Pech habe – Hitzewallungen bekommen würde. Und der darauffolgende Gedanke war: was kann denn so schlimm sein an Hitze? Dann ist mir halt ein wenig heiß, na und?
Dass sich meine Hitzewallungen auf meinen Schlaf, auf meine Psyche, auf meine Energie und Kraft auswirken würden, hatte ich nicht bedacht. Und auch bezüglich weiterer Beschwerden war ich unwissend, ich hatte auch nicht erwartet, dass die Wechseljahre mein gesamtes Leben betreffen und beeinflussen und auf den Kopf stellen würden. So weit hatte ich in meiner Unwissenheit einfach nicht gedacht. Ich lernte es also auf die harte Tour.
MEIN ZWEITER GRUND: GLAUBENSSÄTZE
Mein 2. Grund: Ich war aufgewachsen mit dem Satz „Da musst du durch, das ist halt so.“ Ich erinnere mich an meine Mutter, die stolz erzählte, dass sie ihr Gynäkologe gelobt hatte, weil sie so gut mit ihren Beschwerden umginge. Meine Mutter hatte Hitzewallungen ohne Ende, war gereizt, schlief wenig, war erschöpft und das einzige, was sie dazu zu sagen hatte: „Das ist halt so, da musst du durch.“ Obwohl ich wusste, dass diese Aussage meiner Mutter falsch war, blieb sie irgendwie in mir haften.
Und durch mein Nichtwissen glaubte ich auch den Frauen in meiner Umgebung, die in den Wechseljahren waren oder sich daran erinnerten und unabhängig voneinander meinten: „Die Wallungen haben nur ein Dreivierteljahr gedauert.“ Oder: „Wirst sehen, in einem Jahr ist alles vorbei, so war es bei mir.“ Bis zu: „Bei mir hat es 2 Jahre gedauert, dann waren die Hitzewallungen vorbei.“ Also ein Zeitrahmen von 9 Monaten bis 2 Jahre – das war auszuhalten, dachte ich.
Alle sprachen von den Hitzewallungen, keine sagte, dass die Wechseljahre schon viel früher anfingen, dass auch andere Beschwerden dazukommen konnten, weil sie es genauso wenig wussten. Dieses Thema hat erst seit einigen Jahren den Weg in die Öffentlichkeit und die Medien gefunden, und vor zehn Jahren war die Situation noch eine völlig andere – zum Glück mittlerweile nicht mehr vorstellbar. Vor zehn Jahren etwa tümpelte dieses (Tabu)thema im privaten Kämmerchen herum, und Frauen versuchten, selbst, einen Weg zu finden damit umzugehen, ohne die Möglichkeit einer kompetenten Beratung durch Gynäkolog:innen. Und ich war eine davon.
MEIN DRITTER GRUND: TCM UND PFLANZLICHE HEILMITTEL
Mein 3. Grund: Ich glaubte, ich würde meine heftigen Beschwerden mit natürlichen Mitteln in den Griff bekommen, und zwar ohne Lebensstiländerung, denn auf die Idee, dass mein stressiges Leben, mein stressiger Alltag auch etwas damit zu tun haben könnten, kam ich nicht. Ich dachte also, ich könne so weitermachen wie bisher, es würde schon reichen, wenn ich zur TCM-Ärztin ging, mich akupunktieren ließ und chinesische Kräuter zu mir nahm.
Es wurde nicht besser. Ich nahm auch Rotklee und Traubensilberkerzenprodukte zu mir, ich schluckte Isoflavone, ich ließ mich akupunktieren und trank Dekokte aus chinesischen Kräutern. Die Jahre vergingen und ich gab eine Menge Geld aus, besser wurden meine Beschwerden jedoch nicht. Ich spürte durch den jahrelangen Schlafmangel und die ständigen Wallungen und den anderen Symptomen wie Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen, Rückenschmerzen, Herzstolpern, Harnwegsinfekten, Kurzatmigkeit, Haarausfall und Konzentrationsproblemen, wie mir die Energie kontinuierlich rausgesaugt wurde. Wäre in meiner Vorstellung meine Lebensenergie in einem Glas vorhanden, so konnte ich richtig dabei zusehen, wie dieses Glas immer leerer und leerer wurde und mein Energievorrat zur Neige ging, weil sich mein Glas nicht mehr füllen ließ.
Die Jahre vergingen, nach vier Jahren des Auf und Ab, eigentlich mehr Ab als Auf, versuchte ich, jeden Tag zu überleben, und ich übertreibe dabei nicht. Ich hatte seit vier Jahren nicht mehr richtig geschlafen, 4-6 Wallungen in der Nacht, die mich im Abstand von 1 Stunde aufweckten, die Wallungen untertags, 24/7, die anderen Beschwerden, die Psyche, die am Verzweifeln war und das Gefühl, dem allem ausgeliefert zu sein und nicht verstanden zu werden. Sätze wie: „Jetzt hast du das noch immer, das ist aber auch nicht normal“, begleiteten mich. Ich fühlte mich wie eine Versagerin, weil ich meine Beschwerden nicht in den Griff bekam trotz TCM und chinesischen Kräutern.
MEIN VIERTER GRUND: UMFANGREICHES WISSEN ÜBER DIE WECHSELJAHRE
Nach vier Jahren war ich nur mehr eines: verzweifelt und erschöpft. Es gab jedoch einen wesentlichen Unterschied zu den vier Jahren zuvor, ich hatte in den letzten zwei Jahren alles, was es zu den Wechseljahren, zum Hormonmangel und seinen Auswirkungen, zu den unterschiedlichsten Symptomen und den Möglichkeiten, wie ich mich selbst unterstützen konnte, auf dem Markt gab, gelesen. Und DAS veränderte wirklich alles in meinem Leben, weil ich endlich die für mich richtigen Entscheidungen treffen konnte: 1. Wechsle die Ärztin, such dir eine Ärztin, die sich mit Hormonen auskennt und 2. nimm bioidentische Hormone und 3. kümmere dich besser um dich selbst. Nimm dich und deine Bedürfnisse ernst - sei es Ernährung, Sport, Ruhe und Entspannung.
Also begann ich meine drei Punkte Schritt für Schritt umzusetzen.
MEIN FÜNFTER GRUND: NÖTIGES WISSEN UND EIN DREI-PUNKTE-PLAN
Ich hatte 25 Jahre lang eine gute Gynäkologin, fühlte mich gut betreut, hatte zum Glück auch keine Beschwerden. Meine Monatsblutung kam regelmäßig und ohne Schmerzen. Ich war also eine unkomplizierte Patientin, einmal im Jahr kam ich zur Kontrolle und das war's. Doch als dann vor ca. zehn Jahren erste Anzeichen dafür auftauchten, dass sich meine Hormone umstellten, klärte sie mich weder über die Wechseljahre und die Folgen des Hormonmangels auf, noch hatte sie etwas zu den Behandlungsmöglichkeiten zu sagen.
Zweimal wechselte ich daraufhin die Ärztin, bis ich schließlich bei einer Ärztin landete, in der Hoffnung, sie wäre tatsächlich eine Expertin auf dem Gebiet der endokrinologischen Gynäkologie, das versprach jedenfalls der Hinweis auf ihrer Website. Bevor ich mich für bioidentische Hormone entschied, hatte ich auch dazu, über die Risiken und die viel zitierte Women’s Health Initiative-Studie aus 2002 gelesen. Auch wenn es Studien gibt, die die Annahme widerlegen, dass nur die Gabe von Hormonen das Brustkrebsrisiko erhöhen, hält sich der schlechte Ruf der Hormone hartnäckig. Und diese Fehlinformation ist zurückzuführen auf diese Studie, die in den 1990er Jahren begonnen und Anfang der 2002er Jahre wieder abgebrochen wurde. In meinem Blogbeitrag "Hormone und ihr schlechter Ruf" habe ich dazu ausführlich geschrieben.
Bioidentische Hormone
Wenn heute von der Hormontherapie gesprochen wird, gibt es im Vergleich zu früher schon einen sehr bedeutsamen Unterschied: heutzutage verschreiben die Ärzte und Ärztinnen bioidentische Hormone, dabei handelt es sich um Hormone, die chemisch und strukturell identisch mit den Hormonen sind, die der menschliche Körper selbst produziert. Sie werden oft aus pflanzlichen Quellen wie der Yams-Wurzel gewonnen. Östrogen wird in Form eines Gels über die Haut aufgenommen und kommt auf diese Weise direkt ins Blut, Progesteron wird in Kapselform eingenommen.
Mit all diesen Informationen habe ich mich letztendlich FÜR eine Hormontherapie entschieden, ich hatte schon lange genug gelitten und alles mögliche ausprobiert. So konnte es nicht weitergehen, da ich meinen beruflichen Alltag kaum noch bewältigen konnte und die Zeit abseits meines Arbeitslebens nur mehr erschöpft auf der Couch verbrachte.
Ich ließ mir bioidentische Hormone verschreiben und was für ein Wunder: die Rücken- und Gelenkschmerzen verschwanden innerhalb der 1. Woche. Die Wallungen blieben jedoch hartnäckig, Ich schmierte einen Hub Estrogel in der Früh auf die Haut und am Abend schluckte ich 100 mg Progesteron. Dass es auch eine eigene Wissenschaft ist, die richtige Dosierung zu finden, wusste ich nicht und erfuhr ich wiederum leidvoll in den folgenden drei Jahren. Zusätzlich machte ich die Erfahrung, dass nicht jede Gynäkologin, die endokrinologische Gynäkologie auf ihrer Website stehen hat, eine Expertin für Hormone und Hormontherapie und die unterschiedlichen Möglichkeiten bei Dosierung und Produkten war. Ich solle Isoflavone mit Salbei nehmen, das würde auch helfen, war die Aussage, als ich meinte, ich wolle die Dosis erhöhen. Ich war bei zwei Hub und 200 mg Progesteron angelangt, und die Wallungen waren noch immer da. Ich fühlte mich zwar besser, weil ich keine Rücken- und Gelenkschmerzen mehr hatte und auch die Kurzatmigkeit vorbei war, doch mein Hauptproblem, die Wallungen, und der dadurch verursachte schlechte Schlaf, nahmen kein Ende. Sie waren nicht mehr so häufig und auch in der Nacht reduzierten sie sich auf 2-3 Mal, doch sie begleiteten mich nach wie vor, und so lebte ich weiterhin in meiner Erschöpfung. Sie war zwar nicht mehr so intensiv, doch ich konnte sie noch spüren.
Gute und kompetente Beratung und die Selbsthilfegruppe Feuerfrauen
Nach beinahe sieben Jahren der Suche, der Hoffnung, des Ausprobierens und echter Verzweiflung fand ich eine wirklich kompetente Ärztin, die sich ausführlich Zeit nahm, mit der ich verschiedene Möglichkeiten der Behandlung durchsprechen konnte und die nicht schon nach zwei Minuten Gespräch unruhig wurde, weil ich noch eine Frage stellte (und das bei einem Honorar jenseits der 150€).
Im Austausch mit anderen Frauen in unserer Feuerfrauengruppe höre ich von diesem Verhalten immer wieder. Eine Behandlungszeit von zehn Minuten und viel Geld gezahlt. Fast alle Frauen in den Wechseljahren sind bei Privatärztinnen und -ärzten, da eine Beratung bei Kassenärzten und -ärztinnen den zeitlichen Rahmen sprengen würde, vorausgesetzt die Gynäkolog:innen wissen überhaupt über Hormone und die Wechseljahre Bescheid, was nach wie vor nicht selbstverständlich ist, weil die Wechseljahre kein Thema im Medizinstudium und der anschließenden Fachärzt:innenausbildung sind.
Apropos Feuerfrauen: Den Austausch innerhalb unserer Feuerfrauengruppe in Wien möchte ich nicht mehr missen. Diese monatlichen Treffen mit den Frauen, der wertschätzende und verständnisvolle Umgang und der Zusammenhalt sind so wertvoll und unterstützend.
Kümmere dich besser um dich selbst
Und nun zu meinem dritten Punkt: Selbstfürsorge, Ruhezeiten, Bewegung, Ernährung, Stressreduktion und mich und meine Bedürfnisse ernst nehmen. Das sind Themen für eigene Blogbeiträge, daher werde ich nur kurz darauf eingehen: Ich habe mich sehr viel mit Achtsamkeitpraxis, meinem Nervensystem im Zusammenhang mit Stressreduktion beschäftigt, habe wieder mit Bewegung begonnen, mache Krafttraining und drehe im Augarten laufend meine Runden (etwas, das ich vor einem Jahr noch für unmöglich gehalten habe) und ich habe meine Ernährung umgestellt mit dem Fokus auf mehr Proteine und weniger Kohlenhydrate und trinke keinen Alkohol mehr. Ich habe wieder zu malen begonnen, gebe also meinem kreativen Anteil den Raum, den er braucht, ich schreibe meine Morgenseiten, habe dadurch eine gute Verbindung zu mir selbst. Das Schreiben ordnet meine Gedanken, lässt mich erkennen, was hinter den ersten Gedanken, die mir so durch den Kopf gehen, noch da ist an Wünschen, Bedürfnissen, Gedanken und Gefühlen, und ich habe in kleinen Schritten gelernt und lerne es noch immer, nein zu sagen und ich achte darauf, Dinge, die mir gut tun, immer wieder in den Alltag einfließen zu lassen, sei es eine Wanderung in der Natur, Tanzen, ein Treffen mit Freundinnen, ein Konzert, was auch immer. Auch dieser dritte Punkt meines Plans hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich wieder wohl fühle, dass ich besser schlafe und wieder Energie und Kraft verspüre, also mein Leben wieder zurück habe,
ZUSAMMENGEFASST
Zusammengefasst kann ich sagen: Zuerst wollte ich keine Hormone nehmen, weil ich nicht wusste, was auf mich zukam, weil ich falsch informiert war über die Wechseljahre und die Hormontherapie und davon ausging, dass ich mit TCM und pflanzlichen Heilmitteln alles in den Griff bekam, bis ich so erschöpft und verzweifelt war, dass die Hormontherapie meine einzige Hoffnung blieb. Das Gute an diesen schwierigen Jahren war jedoch, dass ich mir das nötige Wissen aneignete und auch über die Gründe für den schlechten Ruf der Hormone und über die aktuelle Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen Bescheid wusste und dadurch in meiner Arbeit als Shiatsu-Praktikerin meine Klientinnen gut begleiten kann, und dass ich mich endlich ernst nahm und mich um mich kümmerte.
Ich nehme seit vier Jahren bioidentische Hormone, Östradiol transdermal und Progesteron in Kapselform. Seit ich von meiner kompetenten Ärztin begleitet werde, schlafe ich wieder gut. Was hat sich verändert? Ich habe die Dosis erhöht. 4 Hub Estradiol, 2 Hub morgens und 2 Hub abends, und 400mg Progesteron abends. In der Früh habe ich meistens noch ein bis zwei Wallungen, mehr nicht. Damit kann ich leben, Hauptsache der Schlaf hat sich verbessert und erschöpft bin ich auch nicht mehr, solange ich gut auf mich achtgebe, denn das habe ich schon gemerkt: Die Grenzen der Belastbarkeit haben sich verschoben.



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