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Wenn dein Herz in den Wechseljahren aus dem Takt gerät

  • Autorenbild: Margot Freiler
    Margot Freiler
  • 12. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Wenn das Herz in den Wechseljahren außer Takt gerät, kann das ganz schön beängstigend sein. Ich erinnere mich an meinen Kardiologentermin vor ungefähr 8 Jahren, bei dem ich dem Arzt von einem „Herzstolpern“ berichtete, das ich auf dem Sofa liegend immer wieder wahrgenommen und das mich einigermaßen verunsichert hatte. Der Besuch beim Kardiologen ergab ... nichts. „Ihr Herz ist in Ordnung“, sagte er mir.  Mein Herz war also gesund, gut zu wissen, nur: das Herzstolpern war trotzdem da. Wäre er ein Kardiologe gewesen, der auch das Alter einer Frau, sprich die Zeit der Wechseljahre mit berücksichtig hätte und mir dadurch hätte sagen können: „Sie sind im Wechseljahresalter, es könnten auch die Hormone sein“, dann hätte er mir mit diesem Hinweis sehr geholfen. Nun, so war es nicht, und ich blieb mit dem Gefühl zurück, das mich schon länger begleitet hatte, nämlich das Gefühl, mein Herz sei ein wenig aus dem Takt geraten, also nicht nur wortwörtlich, sondern irgendetwas in meinem Körper veränderte sich, geriet durcheinander und nahm auch Einfluss auf meine Herzschläge. 


Mittlerweile weiß ich: Herzrasen (Tachykardie) oder Herzstolpern (Palpitation) gehört zu den klassichen Symptomen der Hormonumstellung in den Wechseljahren. Auch  außer-planmäßige Herzschläge (Extrasystolen) und hoher Puls können auftreten. Warum ist das so?


INHALT



DAS HERZ EINER FRAU UND DIE ROLLE VON ÖSTROGEN


Das weibliche Herz ist 3 cm kleiner und 50 Gramm leichter als das des Mannes, es muss also mehr arbeiten, d. h. in der Minute schlägt es zehn Schläge mehr, wenn es das Blut durch den Körper pumpt, damit alle Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Und von Natur aus reagiert das weibliche Herz stärker auf Stress.

Das Östrogen spielt in Bezug auf das weibliche Herz eine sehr wichtige und schützende Rolle, denn auch am Herzen sitzen Östrogenrezeptoren (Andockstellen für das Hormon Östrogen).  Östrogen schützt das Herz und den Herzmuskel, es wirkt durchblutungsfördernd, weil die Gefäße im Herzen geweitet werden. Östrogen macht die Gefäße auch elastischer, und da der Blutdruck über die Hormone reguliert wird, spielt auch dabei Östrogen eine sehr wichtige Rolle, genauso wie die Blutfettwerte, die Blutgerinnung und der Blutzuckerspiegel sehr ausgeglichen reguliert werden durch die Hormone, u.a. das Östrogen. 



WARUM GERÄT DAS HERZ IN DEN WECHSELJAHREN AUS DEM TAKT

Herzrasen und Herzstolpern während der Wechseljahre können auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, die oft im Zusammenhang mit den hormonellen Veränderungen stehen. Hauptauslöser ist der Abfall des Östrogenspiegels.  Die schützende Wirkung von Östrogen für das Herz-Kreislauf-System – wie oben beschrieben – fällt weg.


Die hormonellen Veränderungen können auch eine verstärkte Aktivierung des Sympathikus bewirken. Das ist der Teil des vegetativen Nervensystems, der evolutionär bedingt für „Kampf oder Flucht“ verantwortlich ist, dazu liest man oft vom Beispiel des Säbelzahntigers, der um die Ecke biegt - und als Reaktion bleibt nur "Kampf oder Flucht", im Falle des Säbelzahntigers würde ich eher die Flucht wählen. Der Säbelzahntiger ist heutzutage nicht mehr relevant, steht aber für Situationen, die für unser Nervensystem Gefahr bedeuten und dementsprechend reagiert nach wie vor der Sympathikus. Die Aktivierung führt zu einem Anstieg der Herzfrequenz, welche als Herzrasen wahrgenommen wird.


Das hormonelle Auf und Ab in den Wechseljahren, vor allem in der Perimenopause, kann Körper und Geist zusätzlich stressen. Es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die den Herzschlag beschleunigen und zu Herzrasen führen können. Genauso können auch emotionale Belastungen das vegetative Nervensystem beeinflussen und so zu Herzstolpern führen. Wir sind einfach nicht mehr so stressresistent wie früher.


Hormonelle Veränderungen können ferner den Blutdruck beeinflussen. Auch wenn dieser mit zunehmendem Alter tendenziell steigt, kann es auch immer mal zu ungewohnten Schwankungen kommen. Niedriger Blutdruck kann dazu führen, dass das Herz versucht, einen Ausgleich zu schaffen, indem es schneller schlägt. Das wiederum kann zu Herzrasen führen.


Grundsätzlich kann man sagen, dass sich mit zunehmendem Alter die Struktur des Herzmuskels verändert, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Herzrhythmusstörungen führen kann.


Dr. Schaudig weist im 2025 erschienenen Buch "Hot Stuff" darauf hin, dass auch koronare Herzerkrankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion, Blutarmut, Nebenwirkungen von Medikamenten, Drogen- und Alkoholkonsum sowie Eisenmangel und ein Mangel an Kalium oder Magnesium zu Herzstolpern führen können und rät dazu, die Ursache für Herzrasen oder Herzstolpern ärztlich abzuklären. (Hot Stuff, S.57)


WAS SOLLTE ICH BEACHTEN >>>> RISIKOFAKTOREN

Das Risiko von Männern, an einem Herzinfarkt oder Bluthochdruck zu erkranken, ist höher als das von Frauen – bis sie in die Meno- bzw. Postmenopause kommen, danach gleicht es sich an. Durch die dauerhafte Reduzierung der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron auf einen sehr niedrigen Wert steigt also das Risiko von Frauen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 


Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung treten nun in den Vordergrund. Die Cholesterinwerte steigen an. Das sind Faktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil sich Ablagerungen in der Gefäßwand bilden (Atherosklerose), zum einen in den großen Herzkranzgefäßen und auch in den Verästelungen, dadurch können sie verengt werden und das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt.


Zwischen 2013-2015 untersuchte die Berliner BEFRI-Studie (Berlin Female Risk Evaluation) kardiovaskuläre Risikofaktoren bei über 1000 Frauen im Alter von 25 bis 75 Jahren. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Bluthochdruck insbesondere bei Frauen in und nach der Menopause ein häufiges, oft unterschätztes Problem darstellt. Mit dem Wegfall des östrogenbedingten Gefäßschutzes nach der Menopause steigt das Risiko für Bluthochdruck nämlich deutlich an! Ergebnisse aus der BEFRI-Studie flossen in neuere Empfehlungen und Diskussionen ein, wie etwa die neue Bluthochdruckleitlinie der „European Society of Hypertension“ (die ESH-Leitlinie 2023) zu geschlechts-spezifischen Risikofaktoren. Der Zielwert beim Blutdruck der Frauen wurde heruntergesetzt auf 130/80, früher galt für Frauen derselbe Zielwert wie für Männer (140/90).


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Österreich die Todesursache Nummer 1 bei Frauen. Rund 37 % aller Todesfälle bei Frauen sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück-zuführen!


Daher ist es WICHTIG, Blutdruck und Cholesterinwerte im Auge zu behalten! Ich lasse jedes Jahr im Rahmen meiner Gesundheitsvorsorge die Blutwerte und auch meine Gefäße auf Ablagerungen checken und mittels Ultraschall auch meine Schilddrüse und meine Organe untersuchen.


WAS KANN ICH TUN?

Wenn Herzrasen oder Herzstolpern auftritt, dann ist als allererstes wichtig, zu einem Arzt zu gehen.


Abklärung durch einen Kardiologen oder eine Kardiologin

Häufig steckt nichts Ernstes dahinter, wichtig ist die Abklärung trotzdem.


Magnesium- und Kaliumwerte prüfen

Magnesium wirkt sich günstig auf den Herzrhythmus aus. Kalium ist ebenso an einem gesunden Herzrhythmus beteiligt. So kann ein Kalium-Mangel Herzstolpern oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Zudem haben Magnesium und Kalium positive Effekte auf essenzielle Zell- und Nervenfunktionen. Gute Kalium-Lieferanten sind Bananen, Kartoffeln oder Trockenobst. Viel Magnesium liefern Walnüsse, Mandeln, Vollkornprodukte, Naturreis oder dunkle Schokolade.


Stress reduzieren

Da das weibliche Herz von Natur aus stärker auf Stress reagiert und jetzt in der Übergangsphase und der Hormonumstellung noch ein Stück sensibler ist, ist es überhaupt ratsam, mehr Gelassenheit ins Leben zu bringen. Das schreibt sich leicht, ist aber im Alltag nicht so einfach - ich weiß es aus eigener Erfahrung. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, sich den Alltag und die persönlichen Stressfaktoren anzuschauen, zu beobachten, was Stress verursacht und welche Veränderungen möglich und passend sind, um zu mehr Ruhe und Gelassenheit zu kommen.

Abhilfe schaffen schon einfache Entspannungstechniken, wie etwa kurze Atemübungen, die auch ohne viel Zeitaufwand in den Alltag integrieren werden können. Auch sind kleine Pausen schon wirksam. Adaptogene wie Ashwagandha können bei Stress unterstützen. Und: ausreichend Schlaf ist wichtig. Und nicht zu unterschätzen: Nicht zu viel über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann. Lieber auf das Gute fokussieren!


Moderate Bewegung

Regelmäßiges Training stärkt den Herzmuskel. Mit einem einzelnen Herzschlag kann so mehr Blut durch den Körper gepumpt werden. Dadurch reduziert sich die Schlagfrequenz des Herzens mit der Zeit automatisch. Studien haben bewiesen, dass moderates Ausdauertraining auch gegen plötzliche Herzrasen-Attacken hilft. Denn ein gut trainiertes Herz kann sich schneller und stressfreier an (Hormon-) Schwankungen anpassen.


Ernährung

Das Herz liebt alles, was es langfristig gesund hält, eine mediterrane, proteinreiche Ernährung z. B. mit viel Gemüse, Obst, Fisch, Nüssen und hochwertigen Ölen. Omega-3-Fette (in Fisch und Algen zu finden) wirken sich positiv auf Blutdruck und die Herzfrequenz). Vermieden werden sollten hingegen Zucker und schnelle Kohlenhydrate, da sie für einen rasanten Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgen, gefolgt von einem schnellen Abfall. Typische Quellen sind eben Zucker, Weißmehlprodukte, Süßigkeiten, Softdrinks und Fruchtsäfte. 


Ein Hausmittel seit dem Altertum: Weißdorn

Weißdorn wird seit dem Altertum bei Herzbeschwerden eingesetzt wird. Die Pflanze und ihre Extrakte haben in der passenden Dosierung wissenschaftlich erwiesene positive, regulierende Effekte, etwa bei leichten Herzbeschwerden wie Schwindel, Herzrasen oder Schwächegefühl . Man verwendet die Blätter und Blüten als Tee oder den stärkeren Extrakt aus Blüten und Beeren.


Phytoöstrogene

Phytoöstrogene ähneln in ihrer Struktur einer Form unseres körpereigenen Östrogens und können daher im Körper eine hormonartige Wirkung auslösen, wenngleich diese Wirkung schwächer ist als die des körpereigenen Hormons. Phytoöstrogene können sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und damit auch auf Herzrasen und Herzstolpern auswirken. Zu finden sind Phytoöstrogene in Lebensmitteln wie z.B. Soja, Leinsamen, Granatäpfeln, Sprossen und Gemüse wie Kohl, Kraut, Brokkoli, Kohlrabi, Kresse, Radieschen, Rettich, Pak Choi, Rucola.


Bioidentische Hormone

Bioidentische Hormone können bei starken Wechselbeschwerden wie Herzrasen und/oder Hitzewallungen Abhilfe schaffen. Wenn du eine Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen in Erwägung ziehst, lass dich von deiner Gynäkologin beraten bezüglich Produkt, Dosierung und Dauer der Anwendung.


Ganz schlecht: Nikotin, zuviel Alkohol und Kaffee

Viel zu erklären gibt es bei Nikotin, zu viel Alkohol oder literweises Kaffeetrinken nicht. Rauchen ist bekanntlich sowieso ungesund und sollte vermieden werden, auf zuviel Alkohol und auch auf das Trinken einer Tasse Kaffee nach der anderen über den Tag verteilt sollte ebenfalls verzichtet werden.


Die gute Nachricht zum Schluss

Wenn dein Herzrasen oder Herzstolpern durch Östrogenmangel verursacht ist, hört es oftmals so plötzlich auf, wie es begonnen hat, weil sich der Körper in der Postmenopause an den niedrigen Hormonspiegel gewöhnt und sich alles wieder beruhigt. Ein Rat zum Schluss: Höre gut auf deinen Körper, sorge für Ausgleich, Ruhe und nutze pflanzliche oder hormonelle Unterstützung.




Links zu Artikeln & Quellen







Kathrin Schaudig, Katrin Simonson: Hot Stuff. Wechseljahre To Go. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG 2025

 
 
 

Kommentare


Gerti E.

Ich bin schon seit einiger Zeit in Behandlung bei Margot und bin immer völlig entspannt nach einer Behandlung. Mein Anliegen ist hauptsächlich mein Schlaf, der wohl auch durch die Wechseljahre, schon länger ein Problem ist. Ich schlafe entweder zu wenig, wache oft auf und schlafe fast nie durch. Nach einer Behandlung bei Margot merke ich eine deutliche Besserung meiner Schlafqualität. Ich möchte die Behandlung nicht mehr missen, auch weil Margot mit ihrer besonnenen und ruhigen Art für mich ein optimaler Ruhepol ist und ich mir 2 x im Monat etwas Gutes tue, indem ich mir eine Shiatsubehandlung gönne.

Diana Dressler

Als ich Shiatsu bei Margot Freiler ausprobierte, war ich nicht darauf gefasst, wie sehr mein System herunterfahren und ich mich entspannen würde. Der Vorher-Nachher-Vergleich war frappierend, und mir wurde klar, wie gestresst mein System zu der Zeit war. Die Behandlung war super angenehm, und ich konnte danach erstmals wieder schlafen wie ein Bär. Herrlich!!! Ich bin schon gespannt, wie sich eine längerfristige Behandlung auf mein Leben auswirkt und werde auf jeden Fall wiederkommen. Herzlichen Dank für diese tolle Erfahrung und eine volle Empfehlung von mir an alle Frauen, die sich mal etwas richtig Gutes gönnen möchten: Do it!

Margot B.

Bereits bei der Begrüßung habe ich mich bei Margot richtig wohl gefühlt. Der erste Eindruck war richtig: Margot ist enorm einfühlsam und spürt genau, was mein Körper braucht.

© 2025 Margot Freiler, dipl. Shiatsu-Praktikerin

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