Was gibt mir Kraft? Ressourcen stärken in den Wechseljahren
- Margot Freiler
- 2. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Während der vergangenen, emotional ziemlich herausfordernden Wochen war ich sehr froh, dass ich immer wieder auf meine Ressourcen zurückgreifen konnte - ein Spaziergang im Wald, Schwimmen im See, ein Bild malen -, durch die ich Kraft tanken konnte. Voraussetzung dafür war, dass ich meine Ressourcen gut kenne, dass ich weiß, was mir gut tut und ich auch dafür sorge, dass ich wieder zu Kräften komme, wenn es anstrengend und herausfordernd wird. Zu verdanken habe diese Tatsache meinen anstrengeden Wechseljahren und einer monatelang andauernden extremen Erschöpfung, in der ich in kleinen Schritten meine Ressourcen kennengelernt habe, durch die ich Energie tanken kann, ich habe gelernt, (endlich) Grenzen zu setzen und auf meine Bedürfnisse zu hören, sie ernst zu nehmen und zu wissen, dass es okay ist, wenn ich nicht soviel "leisten" kann wie ich mir vorgenommen habe.
Stichwort Wechseljahre: Sie sind eine Zeit des Wandels und der Veränderung. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und oft finden auch grundlegende Veränderungen im Leben selbst statt. Viele Frauen erleben Doppelbelastungen, sie stehen mitten im Beruf, kümmern sich um Familie und/oder pflegen Angehörige – und gleichzeitig melden sich Erschöpfung, Schlafprobleme, innere Unruhe oder andere Beschwerden immer deutlicher.
In dieser Phase wird eine Frage besonders wichtig: Was gibt mir Kraft?
Denn wenn der Alltag (zu) viel fordert und die Energie weniger wird, reicht es nicht mehr, einfach nur durchzuhalten so wie früher, als ausreichend Kraft vorhanden war. Dann braucht es einen bewussten Blick darauf, was nährt, stärkt und entlastet und auch eine Änderung der Einstellung sich selbst gegenüber.
WENN DIE EIGENEN BEDÜRFNISSE ZU KURZ KOMMEN
Viele Frauen sind es gewohnt, für andere da zu sein. Sie funktionieren, organisieren, kümmern sich und stellen die eigenen Bedürfnisse hinten an. Oft so lange, bis der Körper deutliche Signale sendet. Gerade in den Wechseljahren zeigt sich das besonders deutlich. Der Schlaf wird unruhiger, die Belastbarkeit sinkt, das Gefühl überfordert zu sein, taucht immer öfter auf, kleine Reize führen oft viel schneller zu einem Zuviel. Die Frage, was ist nur los mit mir?, taucht auf und: Früher habe ich das doch auch geschafft! Es fühlt sich beinahe wie Versagen an, so ging es mir jedenfalls. Es ist aber keineswegs persönliches Versagen, sondern ein Hinweis darauf, genauer hinzuschauen. Sich selbst ernst zu nehmen bedeutet in dieser Lebensphase, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und die inneren Signale nicht länger zu ignorieren und zu übergehen.
RESSOURCEN SIND KEIN LUXUS
Ressourcen sind alles, was dir Kraft gibt. Das kann sehr unterschiedlich sein: Ruhe, Bewegung, Natur, gute Gespräche, Kreativität, ein Spaziergang, Atemübungen oder eine liebevolle Berührung.
In den Wechseljahren werden diese Ressourcen besonders wichtig, weil der Körper sensibler auf Stress reagiert. Was früher noch gut auszuhalten war, kann heute schnell zu viel werden. Umso wertvoller ist es, bewusst für Ausgleich zu sorgen. Dabei geht es nicht darum, das Leben perfekt zu organisieren. Es geht darum, kleine Ruhemomente zu schaffen, die dich wieder mit dir selbst verbinden.
Vielleicht möchtest du hier kurz innehalten und für dich überlegen, was deine Ressourcen sind, was du gerne tust, was dich nährt, wobei du dich wohl fühlst. Und wenn du Zeit hast, kannst du diese Dinge für dich auch notieren.
SHIATSU ALS ACHTSAME BEGLEITUNG
Shiatsu kann in dieser Zeit eine wertvolle Unterstützung sein. Die achtsame Berührung lädt dazu ein, langsamer zu werden, den Körper bewusster wahrzunehmen und aus dem ständigen Funktionieren auszusteigen. Viele Frauen erleben Shiatsu als wohltuenden Raum, in dem Entspannung, inneres Spüren und Regeneration möglich werden.
Gerade wenn Erschöpfung, Anspannung oder Schlafstörungen den Alltag prägen, kann Shiatsu helfen, das Nervensystem zu beruhigen und wieder mehr bei sich anzukommen. Es ist eine Einladung, nicht nur über Bedürfnisse nachzudenken, sondern sie im Körper wirklich zu spüren.
KLEINE SHIATSU-ÜBUNG FÜR DEN ALLTAG
Eine einfache Selbsthilfe-Übung ist das sanfte Abstützen und Nachspüren: Setze dich bequem hin, lege die Hände auf die Oberschenkel oder auf den Bauch und spüre für einige Atemzüge bewusst den Kontakt zum Untergrund. Atme ruhig ein und aus, ohne etwas verändern zu müssen. Dann frage dich innerlich: Was brauche ich gerade wirklich?
Nicht morgen. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Vielleicht brauchst du Ruhe. Vielleicht Bewegung. Vielleicht Schwimmen im See oder ein Spaziergang im Wald oder Park. Vielleicht einen Moment der Stille, ohne Gespräch; vielleicht möchtest du tanzen, vielleicht braucht es einfach nur einen tiefen Atemzug.
Wenn du magst, kannst du diese Übung mit einer kurzen Berührung am Brustkorb oder am Bauch ergänzen. Bleibe noch einen Augenblick bei dir und nimm wahr, wie es dir mit dieser Aufmerksamkeit geht. Schon wenige Minuten können helfen, dich zu sammeln und wieder etwas mehr Kraft zu spüren.
SICH SELBST WIEDER WICHTIGER NEHMEN
Sich selbst wichtig nehmen - diese Aufforderung liegt mir wirklich am Herzen. Denn eine der größten Herausforderungen in den Wechseljahren ist oft nicht nur die Hormonumstellung und die damit verbundenen körperlichen Veränderung, sondern die Frage, wie ernst wir uns selbst nehmen. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder Frauen, die gelernt haben, stark zu sein, zu funktionieren und Rücksicht auf andere zu nehmen, und die dabei ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellen. Doch genau hier liegt die Grenze. Sich selbst wichtig zu nehmen, ist nicht egoistisch, es ist Selbstfürsorge. Es bedeutet, nicht erst dann auf sich zu schauen, wenn nichts mehr geht.
Diese Erkenntnis hatte ich selbst nicht über Nacht, es war ein Lernprozess seit dem Moment, als eine Therapeutin zu mir sagte: "Nehmen Sie sich und Ihre Bedürfnisse ernst!" Und mein erster Gedanke dazu war: "Darf ich das überhaupt?" Und mein zweiter war: "Sie hat recht!" In diesem Moment habe ich mich für mich und meine Bedürfnisse entschieden und mir vorgenommen, besser auf mich zu achten und versuche seither, danach zu leben, mich immer wieder zu fragen, was ich jetzt brauche? Auch eine sehr große Entscheidung habe ich seitdem getroffen, die sehr lebensverändernd war und mir mehr als gut getan hat, aber das ist ein anderes Thema.
Die Wechseljahre können also auch eine Einladung sein, das eigene Leben neu auszurichten. Mehr bei sich zu sein. Ehrlicher mit den eigenen Bedürfnissen. Freundlicher mit der eigenen Erschöpfung. Und vielleicht beginnt genau dort eine neue Kraft.



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